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Kampagne "fuck off fritz"

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Fuck off Fritz!


300 Jahre alt wre Friedrich II. preuischer Knig von 1740 bis 1786 im Jubilumsjahr 2012 geworden. Fr Preuen-Fans von nah und fern ist dies ein willkommener Grund, den Preuenknig und seinen Staat gebhrlich zu bejubeln und zu feiern. Erneut soll in diesem Jahr Preuen als Urbild der Humanitt und Aufklrung, der Toleranz und Moderne ein Denkmal gesetzt werden.

Preuen? War da nicht noch was anderes? Galt es nicht seit Jahrzehnten als Sinnbild fr Militarismus und Krieg, als eine der Brutsttten des deutschen Nationalsozialismus?

Grundstein fr die Mr vom progressiven und toleranten Staat war das Edikt von Potsdam, das der Groe Kurfrst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1685 erlassen hatte. Dieses gewhrte protestantischen Hugenotten, die neuerlich im katholischen Frankreich verfolgt wurden, freie und sichere Niederlassung in Brandenburg. Nicht vllig selbstlos wurden zudem ihre Wirtschaftunternehmen staatlich subventioniert.
Zweck des Edikts war der wirtschaftliche Aufschwung einer agrarisch vllig rckstndigen und durch den 30jhrigen Krieg nahezu entvlkerten Mark Brandenburg. Schon der Grundstein des toleranten Preuens stellt somit eine typische Geschichtsklitterung von preuischen Hofschreiberlingen des 19. Jahrhunderts dar.

Worin bestand denn nun der groe tolerante Akt? Fremde, dem gleichen Glauben verfallene (professionelle) Handwerker als Arbeitskrfte im eigenen Land zu dulden? Das wre ungefhr so als wrde man behaupten, die BRD habe aus reiner Nchstenliebe die Gastarbeiter geholt, um sie aus ihrer Armut zu befreien.

Friedrich II. soll ein Aufklrer auf dem Frstenthron gewesen sein. Es wird so getan, als ob es sich bei ihm um einen aufgeklrten, toleranten Philosophenknig mit Hang zu strategischem Genie gehandelt haben muss. Zurck gehen diese falschen Annahmen zumeist auf eigene Deklarationen der ersten Tage seiner Regentschaft. Tatschlich erlie er die Abschaffung der Folter, die Presse und Religionsfreiheit. Schon sein Zeitgenosse F. Holtze (Chronist des Kammergerichts) schrieb:

So war denn auch seine erste viel gefeierte Tat(), die Aufhebung der Folter, wenn man genauer hinsieht vorwiegend ein Geistesblitz von rein theoretischer Bedeutung, den man sehr unrichtig als Zeichen einer neuen ra zu bezeichnen beliebt.() Ihm ging es lediglich um den Beifall mglichst vieler Schngeister Europas.() Praktisch war die Sache ohne Wirkung denn es war seitdem nur blich die Zwangsmanahmen nicht mehr Folter zu nennen. berliefert ist auch, welch Freude es ihm bereitete, die brutalen Maregelungen der Soldaten vom Potsdamer Schlossbalkon aus zu beobachten. Auch mit der Pressefreiheit hielt er es gerade so wie er es fr richtig hielt. Presseberichte ber seine Heldentaten zu Felde schrieb er am liebsten selbst und sollten doch einmal unliebsame Artikel etwa ber vermehrte Desertationen aus seinem Heer erscheinen, wurde der Verleger ohne Prozess ins Gefngnis geworfen bis er wieder auf Linie war.

Noch toleranter ging Friedrich II. mit Jdinnen und Juden um. Auch ihnen ffnete er Preuens Tr allerdings nur, wenn sie finanziell so gut gestellt waren, dass sie seinen Schutzgeldforderungen nachkommen konnten. Es gab weit reichende Berufs- und Siedlungsverbote. Das Erb- und Geburtsrecht war so weit eingeschrnkt, dass der Knig jederzeit die Mglichkeit hatte, die Duldung der Jd_innen zu aufzuheben. Arme Juden, sogenannte Betteljuden wurden sofort umstandslos ausgewiesen. Bezeichnend ist hier auch der Erlass, dass Jd_innen an den Zollschranken Leibzoll zahlen mussten, der sonst nur fr Vieh blich war. Wrde man nun also den Monarchen objektiv an seinen Taten und nicht an seinen schnen Worten messen, so knnte man das ganze Preuenmrchen in Ruhe ad acta legen.

Doch da Deutschland im Gegensatz zu anderen Nationen keine gelungene brgerliche Revolution als identittsstiftendes Moment vorweisen kann, muss ein positiver Bezug auf den Staat auf anderem Wege hergeleitet werden.
Gerade in Zeiten der Krise ist es wichtig, den Laden durch Bezug auf ein Partikularinteressen berspannendes groes Ganzes, die Nation, zusammen zuhalten. Preuen soll nicht nur als unbefleckter Touristenmagnet dienen sondern auch als ein Identifikationsmodell in Zeiten einer Finanzkrise herhalten, welche bis in die stdtische Politik hinein wirkt und sich in Mittelkrzungen und Mieterhhungen bemerkbar macht. Zu preuischer Sparsamkeit wird verklrt, wenn Menschen, die auf staatliche Transferleistungen und eine funktionierende, billige ffentliche Infrastruktur angewiesen sind, die Lebensgrundlagen zusammengestrichen werden. Ganz nach dem Motto Lerne leiden ohne zu klagen soll sich der womglich Aufbegehrende lieber in Bescheidenheit, Unterordnung und Selbstdisziplinierung ben. Die berhhung und Verklrung preuischer Tugenden, das Konstruieren einer gemeinsamen Identitt sind somit auch eine Strategie der Krisenbewltigung.

Preuen sollte schon einmal den Weg aus der Krise ebnen: In der Weimarer Republik bedienten die Fridericus-Rex-Filme, Ufa-Propagandaschinken aus den 20er Jahren, die Sehnsucht nach einem autoritren Herrscher. Nicht ohne Grund wurde Friedrich der Groe zum Vorbild und zur Bezugsgre der Nazis, wurde die Machtbergabe der konservativen Eliten an die Nazis in der Potsdamer Garnisonkirche am Grab Friedrich II. gefeiert. Mit der Behauptung, die Nazis htten Preuen fr ihre Propaganda nur missbraucht wurde nie die Frage gestellt, warum sie sich denn ausgerechnet Preuen aussuchten.

Auch der Baurevisionismus, der zurzeit in Potsdam Schule macht, zeigt, wie sehr hier geschichtsrevisionistische Ideologie und Preuenkult zementiert werden sollen. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebude in deutschen Innenstdten zerstrt. Alliierte Bomben und Bodenkmpfe von fanatischen Volksgenossen, die sich weigerten, in den letzten Kriegswochen den Kampf aufzugeben, trugen zur Zerstrung bei. Diese Zerstrung jedoch war die Konsequenz aus einem Vernichtungs- und Eroberungskrieg, der am 1. September 1939 von Deutschland ausging und ber sechs Jahre Europa nahezu in Schutt und Asche legte. Mehrere Millionen Menschen starben durch den nationalsozialistischen Krieg und die systematische industrielle Vernichtung in den Konzentrationslagern.

Ein Eingestndnis der Schuld, eine Aufarbeitung der Vergangenheit hat nie stattgefunden. Eine Entschdigung der Opfer gab es nur um den Preis, dass sich die Kinder und Enkel der Tter_innen die Definitionsmacht ber die deutsche Geschichte und das Recht aneigneten, der Welt die Bedingungen von Aufarbeitung und Vershnung zu diktieren.
Die Erinnerung an alliierte Bombenangriffe als Folge des deutschen Vernichtungswahns soll nun stdtebaulich getilgt werden. Ruinen werden aufgebaut und Spuren der DDRArchitektur (Versuche, die verstockte Kasernenatmosphre dieser Stadt aufzubrechen) beseitigt. Dafr sollen preuische Prestigeobjekte in altem Glanz erstrahlen.
Whrend aktuell ein Zeichen der Monarchie, das Stadtschloss in Potsdam als Sitz fr gewhlte Vertreter_innen des Landtags wieder aufgebaut wird, soll das nchste Projekt die Garnisonkirche sein. Eine Kirche, in der eroberte Devotionalien ausgestellt wurden, Waffen fr Kriege gesegnet und der sogenannte Tag von Potsdam inszeniert wurde, an dem Preuen sich ffentlich mit der nationalsozialistischen Bewegung vereinigte, soll wieder in Potsdams Mitte stehen.

Den Kritiker_innen der Glorifizierung Preuens und seiner Verstrickung in nationalsozialistische Politik, wird hufig der Widerstand des 20. Juli entgegengehalten. Ein Widerstand, der vor allem von preuischen Offizieren getragen wurde. Die politischen Vorstellungen dieser Widerstndler standen denen der Nazis sehr nahe. Sie haben jahrelang an Aufrstung und Vorbereitung des Krieges und schlielich seiner Durchfhrung mageblich teilgenommen. Erst als die Niederlage absehbar war und sie befrchten mussten fr ihre Kriegsverbrechen belangt zu werden, organisierten sie ihren Widerstand. Preuische Ideale sollen auch die Putschisten vom 20. Juli 1944 motiviert haben. So soll eine Kontinuitt von Preuens aufklrerischen Anfngen bis hin zu einem modernen, geluterten weltoffenen Deutschland erklrt werden.

Die Veranstaltungsreihe zum 300. Geburtstag Friedrich II. der Stadt Potsdam kann und will dem Thema nicht gerecht werden. Wie wrde es auch wirken, wenn anstelle einer Beschwrung von Preuens Glanz und Gloria, eine kritische Auseinandersetzung geschrieben werden wrde? Wenn aufgezeigt werden wrde, dass die prachtvollen Schlsser und Grten der Herrschenden nur gesttzt auf dem Elend und sinnlosen Tod Tausender mglich waren?
Das Jubilumsjahr 2012 bedeutet eine Verklrung der Geschichte, ein Lobgesang auf einen Militrapparat und eine romantische Umdeutung der Monarchie und Verharmlosung von Krieg.

Dies gilt es zu verhindern! Preuen darf nicht als Inspiration oder gar als Vorbild fungieren, sondern muss als Warnung und Abschreckung dienen. Wir fordern einen kritischen Umgang mit der preuischen Geschichte, welcher die Kontinuitten im Hinblick auf den deutschen Militarismus und Nationalsozialismus bedenkt.

Deshalb: Fuck the Fritz! Den Preuen in die Suppe spucken!

Preuen bleibt Scheie!

Quelle: fuck-off-fritz.tk
    







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