akantifapotsdam



Joachim Bruhn

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Ist der Faschismus schon Geschichte?


Vortrag auf der Tagung "The Challenge of Neo-Fascism" des "Christian Movement for peace" in Straburg am 27.2.1990

Sehr geehrte Damen und Herren,vor einigen Wochen berichtete die westdeutsche Fernsehsendung "Weltspiegel" ber einen an sich
ebenso belanglosen wie immerhin typischen Zwischenfall im Zuge der in Serbien losgebrochenen Boykottkampagne gegen slowenische Babywindeln und Mikrowellenherde. Gutgelaunte Verkufer rumten die artfremde Ware aus den Kaufhausregalen, die seitdem wohl leer vor sich hin ghnen werden. Vor dem Kaufhaus machte eine Ansammlung schon grauhaarigen Pbels ganz den Anschein, als wolle sie sich demnchst an einer Pommesbude vergreifen. Auf die naive Frage des allemal deutschen Reporters, was denn an dem gerade abgerissenen Reklameschild diesen gerechten Volkszorn errege, gab einer der pensionierten Rowdys zur Antwort: "Et 1a slowenische Brathhnchen!" Mit der Frage, was das denn blo sei, ein 'slowenisches Hhnchen', wenn nicht eben ein Geflgel aus Slowenien, das, wenn man es mit Fischmehl fttert, wahrscheinlich ebenso mies schmeckt wie ein Gockel aus der Heimat. Aber mit dieser Frage hielt sich der Reporter gar nicht erst auf und man kann wohl annehmen, da sie ihm nicht einmal in den Sinn kam. Vielmehr hatte es den Anschein, als rche der TV-Agent nun den Braten. Schlagartig schien seine professionell gelangweilte Figur sich zu straffen; er nahm Haltung an und zeigte pltzlich ehrliche Anteilnahme, aufrichtiges Interesse. Mit allen Wassern moderner Verkaufspsychologie und Interviewtechnik gewaschen, fragte er nicht etwa, was denn der Randalierer von der alten Nazi-Parole "Kauft deutsch!" hielte und uerte keinerlei Erstaunen oder gar Erschrecken da rber, da diese schne Totschlagparole auch in anderen Vaterlndern ihr treues Publikum findet. Vielleicht war er aber auch einfach nicht geistesgegenwrtig genug, denn blitzschnell gab derselbe Randalierer schon zu Protokoll: "Ich bin zwar arbeitslos, aber ich esse lieber serbisches Brot als slowenische Hhnchen." Und damit bin ich endlich beim Thema, bei der Frage, ob "Our common past with Fas-cism" wirklich vorbei ist und nicht vielmehr unsere Gegenwart und unsere Zukunft darstellt. Und weil diese dstere Vermutung zugleich die Frage nach der Verhinderung dieser Zukunft und nach der Sabotage dieser Gegenwart nahelegt, komme ich gleich zu meiner ersten These: Wer nicht erklren kann, was ein "serbisches Hhnchen" ist, der kann unmglich "our possible future with Fascism" verhindern. Oder besser, genauer: Wer nicht erklren kann, warum die gesellschaftlichen Individuen in Permanenz die objektiv ebenso unbeantwortbare wie subjektiv unbedingt erzwungene Prge nach dem Wesen des Menschen, des Deutschen und des slowenischen Brathhnchens stellen mssen, der hat den Kampf gegen den Faschismus bereits verloren. Daraus folgt die zweite These: Wer glaubt, den hungernden Arbeitslosen, der sich mit einem Kanten Brot, wenn es nur ein serbisches ist, zufriedengibt, ber seine konomischen Interessen aufklren zu knnen um ihn derart vom Nationalismus zu kurieren, der braucht den Kampf gegen den Faschismus gar nicht erst aufzunehmen. Denn die Frage nach dem Wesen des Hhnchens ist unbeantwortbar und als ebenso unbeantwortbare wie doch unabdingbar zu stellende nicht zu zerstren ohne und dies ist meine dritte und letzte These die Kritik der Politik. Denn die theoretische Kritik und die praktische Widerlegung der Frage nach dem, was das ist: deutsch, franzsisch, polnisch etc. pp. setzt die Kritik des Staates und der gesellschaftlichen Notwendigkeit der Souvernitt voraus. Denn "deutsch" oder "polnisch" oder "italienisch" ist der Mensch als das Ensemble all jener Anforderungen, die der Staat im Zustand der Krise der gesellschaftlichen Integration und Synthesis an seine Subjekte stellt. Wer die Frage nach der nationalen "Identitt", die der Staat seinen Subjekten stellt, als eine interessante Frage ansieht und um Antworten sich bemht, der gibt dem Souvern, mag seine Antwort noch so progressiv ausfallen, doch zu erkennen, da man auf ihn sich verlasse: kann, wenn nicht als Tter, so doch als Dulder.
Jede Aufklrung ber den Faschismus, die nicht zugleich Aufklrung ber Ausbeutung und Herrschaft wre, geht derart in die Irre und mndet in der Affirmation der Staatsraison. Es ist daher nicht im mindesten verwunderlich, da der serbische Arbeitslose nicht das mindeste "aus der Geschichte gelernt" hat. Denn noch heute whrend es schon bald wieder einmal zu spt gewesen sein wird haben die Historiker und die Politologen, die Staatsmnner und die Wirtschaftsfhrer, von der Arbeiterbewegung und von den Kirchen ganz zu schweigen, den Faschismus nicht verstanden und nicht verstehen knnen, weil sie berufsmig gezwungen sind, "in der Form des Staates zu denken"(Marx). Was htten sie dem Arbeitslosen daher auch zu sagen gehabt? Wie htten die antifaschistischen Pdagogen und wie htten die demokratischen Journalisten aufklren knnen, wo sie doch selber in der objektiven Ideologie der Notwendigkeit staatlicher Herrschaft befangen sind? An nichts anderem scheitert die brgerlich-demokratische und die klassisch-marxistische Aufklrung ber den Faschismus als eben an sich selbst, an ihrem Dogma vom Staat an sich, von der Idee des Staates. Sie scheiterte, weil sie unwahr ist und sie wird abermals scheitern, weil, was unwahr ist, allemal auch unpraktisch sein mu und daher unwirksam. Als Pdagogik fr Staatsbrger, als Einbung in den normalen Geschftsgang sei es einer 'brgerlichen', sei es einer 'sozialistischen' Demokratie, geht sie zu Bruch an eben der totalitren Logik des Staates selber, die im gesellschaftlichen Ausnahmezustand der Krise zum autoritren Staat und zum Faschismus, zum Nationalsozialismus gar, eskaliert. Als Aufklrung ber den Faschismus geht derlei Pdagogik fehl und produziert das gerade Gegenteil ihrer wie immer aufrichtigen und ehrlichen Intention: Einbung in die Subalternitt.
So sehr ich mich daher freue, mit Ihnen "Our common past with Fascism" zu errtern, so angenehm es ist, hier, in der gediegenen Atmosphre dieser Tagungsrume ber die "social and political mechanisms that allow the rise of Facism" mich zu verbreiten, und so sehr es natrlich meine persnliche Eitelkeit befriedigt, meine ganz private Meinung vor internationalem Publikum darzulegen um so mehr, als es ja, nach dem hoffentlich erfolgreichen "Welcome" und nach den "Ice-breaking games" vom Sonntag, zur Sache gehen soll, zur "Street action" und zum "Anti-Fascist Manifesto" so sehr befrchte ich doch zugleich, dem vom Veranstalter erhaltenen Auftrag, einen internationalen Vergleich der historischen Faschismen zu geben, der auch noch zur "practical action" ermuntert und befhigt, nicht nachkommen zu knnen.
Kurz und gut: Ganz abgesehen davon, da dem Faschismus nicht mit Geschichte beizukommen ist weil die Faschisten noch nie davor erschreckten, da man ihnen ihre Greueltaten exakt prognostizierte, und ganz abgesehen davon, da der Faschismus nur von seinem ebenso logischen wie gesellschaftlichen End- und Hhepunkt, wenn berhaupt, zu 'verstehen' ist: dem Nationalsozialismus also, der in Ihrem auf internationale Resonanz und weltweite Reputation bedachten Tagungsprogramm natrlich nur aus rein organisatorischen Grnden und weil ja auch Griechen und Spanier nach Straburg kommen sollen, berhaupt nicht vorkommt von all diesen und einigen anderen Grnden einmal ganz abgesehen ist der geforderte Vergleich an sich und daher fr mich unmglich. Es liegt in der Natur der Sache: Faschismus selbst, da man unmglich Hitler mit Salazar, Franco mit Pinochet, Mussolini mit Le Pen oder Schnhuber mit Goebbels vergleichen kann. Es geht einfach nicht: pfel und Birnen vergleicht man ja auch nicht. Man sagt nicht und niemals: pfel sind besser als Birnen vielmehr schmecken sie dem einen gut oder eben, nach Tschernobyl, berhaupt nicht mehr. Das Wesen des Apfels ist mit dem Wesen der Birne an sich unvergleichlich. Und doch werden sie verglichen. Zwar kann keiner vergleichen, wenn ihm nicht bekannt ist, in welcher Hinsicht, unter welchem Aspekt oder vor welcher Instanz das wesentlich Verschiedene doch als an sich und wesentlich gleiches gilt Und doch vergleicht jeder die pfel mit den Birnen jeden Tag, auf allen Mrkten der Welt und in jedem Supermarkt. Allesamt praktizieren sie das ihnen Unbegreifliche und das an sich Unmgliche. Die Gesellschaft macht die Lge der Vergleichbarkeit des Verschiedenen praktisch wahr als eine kapitalistische und also notwendig etatistische Gesellschaft. Was an sich ungleich ist und nur dem Individuum vergleichbar unter dem Aspekt des Geschmacks, ber den man bekanntlich nicht streiten kann das wird doch als Vergleichbares behandelt und kann derart mihandelt werden, weil es freinander von einer hheren Instanz gleichgemacht wird. Als Resultat der Gleichmacherei erscheinen die Dinge den Individuen als vergleichbare und kommensurable Dinge. Darber werden sie zu Subjekten.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wei man nicht oder will man es nicht wissen, da die pfel und die Birnen nur als Waren einander gleich sind, nur vergleichbar werden, wenn sie ein Preisschild tragen und Geld kosten, billig oder teuer sind, und einzig deshalb das gleiche Geld zu verschiedenen Preisen kosten knnen, weil sie vom Kapital, das die pfel nicht als pfel und die Birnen nicht als Birnen oder ihres guten Geschmacks halber produziert, praktisch als die Ware verglichen werden, die, je nachdem, Profit abwerfen oder ruins sind. Als Subjekte wiederum vergleichen die Individuen die Preise der pfel und Birnen nur insoweit und genau deshalb, als sie selber man knnte sagen: als die Waren des Staates als gleichermaen freie und gleiche Staatsbrger sich vergleichen knnen, d.h. als dem Souvern allenthalben unterworfene und subalterne. Die Meiers und die Mllers sind die pfel und die Birnen der Politik. Nun hat mich der Veranstalter, als er mich beauftragte, diesen Vortrag zu halten, nachdrcklich ermahnt, auf gar keinen Fall einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten und mglichst kein einziges Fremdwort zu gebrauchen. Ich mchte also und mu daher nicht, weil ich dem Veranstalter Ihre Unwissenheit als Wahrheit abnehme, sondern nur, weil es sich in der Wirklichkeit auch so verhlt bei Ihnen nicht mehr und nicht weniger voraussetzen als das, was jeder, der Geld gebraucht, der als Lohnarbeiter fr Geld arbeiten darf und es danach als Staatsbrger ausgeben mu, lngst und immer schon wei, bevor er sich auch nur irgendeinen, geschweige denn: kritisch-philosophischen Gedanken ber das Wesen des Geldes gemacht hat. Mehr werde ich nicht voraussetzen und brauche es auch gar nicht. Daher werde ich im folgenden nicht ber das Buch ,Das Kapital. Zur Kritik der politischen konomie" sprechen, das Karl Marx 1867 verffentlichte, und auf dessen mindest ebenso als "Philosophie" berhmten wie als schlichtweg als "unverstndlich" berchtigten ersten einhundert Seiten das Wesen des Geldes analysiert und sodann dies "Wesen" als ein ahumanes Unwesen: Kapital kritisiert und demaskiert wird. Wer also unter Ihnen wissenschaftliche Ambitionen hegt, der mag es lesen oder lieber gleich bleiben lassen.Denn jeder wei, was das Geld ist alle Sprachen und Kulturen sind vollgestopft mit Sprichwrtern vom Geld. So sagt etwa der Spanier, wenn er gar nicht mehr weiter wei in Sachen Geld: "El dinero es muy catlico" und der Deutsche bemerkt lakonisch: "In Geldsachen hrt die Gemtlichkeit auf". Die alten Rmer hatten gar die fixe Idee, da "pecunia non olet" und die Englnder schlielich meinen mit ihrem Klassiker Shakespeare: "Es herrscht der Erde Gott, das Geld"(Othello, A.1,3). Nun bin ich natrlich sehr gespannt darauf, wie man bei Ihnen zuhause vom Geld spricht, vor allem dann, wenn keines oder nicht genug vorhanden ist aber meine doch und behaupte zugleich, da samt und sonders alle Sprichwrter vom Geld immer nur auf das haarscharf Gleiche hinauslaufen, und da jeder, der in seiner Verlegenheit ein Sprichwort vom Geld herbeizitiert, spontan und wie aus der Pistole geschossen doch nichts anderes sag als das, was Karl Marx nach langer Untersuchung ebenfalls herausgefunden hat. Das Geld ist, so sagt er nach jahre- und jahrzehntelangem Studium der Theorien vom Geld, ein "sinnlich-bersinnlicher Gegenstand", "muy catlico" also, einerseits eine uerst und schmerzhaft konkrete wie handgreifliche Angelegenheit und andererseits eine einigermaen unverstndliche und himmlisch abstrakte wie ziemlich jenseitige Sache. Merkwrdig immerhin, da die Wissenschaft vom Geld auch nicht mehr zu sagen wei als das Sprichwort! Seltsam allerdings, da die Stubenhocker der Akademie und die Praktiker des Marktes zum gleichen Ergebnis kommen! Aber egal: Hier soll es nicht um das Verhltnis von Wissenschaft und Idiotie oder von akademischer Ideologie und Alltagsweisheit gehen das Geld, meint Marx, sei ein Ding und das drfte Sie als mutmalich glubige Christen katholischer Konfession wohl am meisten interessieren "voll metaphysischer Spitzfindigkeit und voll theologischer Mucken". Liegt die Antwort auf das Rtsel vielleicht in einer Theologie des Geldes? Kann es sein, da das Kapital den Preis so fest an die Ware schlgt wie Christus am Kreuz hngt? Ist es mglich, da der Staat das Eigentum an seinen Menschen und ihren Dingen ebenso unerbittlich verteidigt wie die Kirche das Eigentum an seinem "Wesen", da sie "Seele" zu nennen beliebt? Wie auch immer: Marx jedenfalls spricht von der "Magie des Geldes" und vom "mystischen Charakter der Ware" und er ist offenkundig der Ansicht, da der Brger, wenn er in den Supermarkt geht, auch nichts anderes tut, als der Katholik, den es mit Macht in die Kirche treibt: Dort kann er tun, was er tun mu und braucht doch, wie man im Deutschen so schn sagt, von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben, denn Kaufen und Beten, ora et labora: Das gengt. Kaufe und Du hast das Geld verstanden so etwa lautete das "Knie nieder und Du bist glubig" des Philosophen Spinoza, den Ihre historischen Glaubensgenossen, meine Damen und Herren, fr diesen immerhin wahren Satz so unbarmherzig verfolgt haben wie die Bourgeoisie den Karl Marx und wie Adolf Hitler die Marxisten und erst recht die Juden.
Aber egal, verzeihen Sie vorerst die Abschweifung: Merkwrdig ist es schon, da Karl Marx mit all seiner wissenschaftlichen Forschung zu keinem anderen Ergebnis gelangt als zu eben dem, was sowieso jeder schon wei ohne eine Stunde in der Londoner Nationalbibliothek sich den Hintern breit gesessen zu haben, da er nichts anderes zu sagen haben soll als genau das, was die Leute auf allen Mrkten und in allen Parlamenten, in jeder Fabrik und bei jeder Armee immer in exakt dem Moment sagen, wenn sie genauso gut nur die Achseln zucken und schweigen knnten.
Das Sprichwort drckt derart die objektive Verlegenheit aus, die dann entsteht, wenn man die Sache, um die es geht, auch nicht genauer begreifen und vernnftiger verstehen kann als die theologische Metapher es eben tut. So bettigt sich das geldgebrauchende Individuum das Subjekt also als ein Pfaffe des Mammons, der schnde ist und doch so anbetungswrdig, da der Weihrauch ber den Massengrbern zum Himmel stinkt. Das Geld also ist, halten wir das einmal fest, und da haben die Spanier ganz recht: "muy catlico", sinnlich fabar und ungreifbar jenseitig und bersinnlich. Das Geld ist gttlich und daher beten die Christen zum Kreuz, an das Staat und Kapital den Menschen schlagen. Jeder hat das Geld in der Tasche und mu es von frh bis spt gebrauchen aber keiner kann so recht erklren, wie es das Geld eigentlich zustandebringt, alles mit allem und jeden mit jedem zu vergleichen. Und zu allem berflu ist das Geld nicht nur katholisch, was schlimm genug ist, sondern auch noch politisch. Tatschlich heit das Buch von Karl Marx denn auch konsequent im Untertitel eine "Kritik der politischen konomie". Denn das Geld vergleicht ja ich deutete es schon an und fhre dies nun aus die Menschen untereinander als Staatsbrger und Citoyens, als Citizens und Cittadinos was in Italien bestimmt angenehmer ist als in Deutschland, aber im Prinzip, und darum geht es hier, immer aufs Gleiche hinausluft. Im modernen brgerlichen Nationalstaat, indem der Souvern die Geltung des einen Geldes, der nationalen Whrung, bewacht, garantiert die Polizei des Souverns zugleich die politische Vergleichbarkeit der Individuen als Subjekte untereinander. Der konomische Vergleich, den das Geld unter den Subjekten als Privateigentmern zieht, wiederholt sich und verdoppelt sich und ermglicht wie garantiert sich im politischen Vergleich, den der Staat unter den Subjekten als seinen Staatsbrgern zieht. Wie das Kapital die Menschen hinsichtlich ihrer jeweiligen Brauchbarkeit fr die Zwecke seiner Akkumulation und profitablen Verwertung untersucht, so vergleicht der politische Souvern die Menschen hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit als Staatsbrger zum Zwecke seines Machterhalts und Machtgewinns. Und das heit in letzter Instanz, d.h. im Ausnahmezustand der Politik, der die Krise der Akkumulation reflektiert, nichts anderes als: Er selektiert sie hinsichtlich ihrer Ntzlichkeit und Brauchbarkeit fr Staatsstreich, Putsch, Diktatur. Der Souvern, d.h. der Staat, der angeblich "wir" sein sollen und der "wir" auch tatschlich sind, kann die Leute im gesellschaftlich erzwungenen bergang zu Faschismus und zu noch Schlimmerem nur gebrauchen als das hrige Menschenmaterial, nur als Soldaten und Polizisten, als Helfershelfer der Henkersknechte, als Spitzel, Denunzianten und Folterer. Er kann sie im Ernstfall nur gebrauchen als das glubige und hrige Publikum der Priester, die, vor dem groen Massaker, die Waffen des Souverns segnen. So ist der Gottesdienst und ich mchte die These riskieren: es ist dies mehr als eine Analogie so ist der Gottesdienst strukturell und phnomenal der Heerschau verwandt: Der Pfaffe ist der Unteroffizier der glubigen Hammelherde, die auf sein Kommando auf und nieder sich bewegt wie der Rekrut, der seinen Liegesttz zu ben hat. Es mag sein, da sich Gott und
der Staat, da sich Kirche und Regierung deshalb so beraus gut verstehen, weil sie Fleisch vom gleichen Fleische sind wie Gott alle Sprachen zugleich spricht ohne in die babylonische Verwirrung zu stolpern und darber blde zu werden, so sagt der Staat in allen Sprachen im Ernstfall das Gleiche: Gehorche, tte, opfere dein Leben, hasse den Feind, der nicht deines deutschen Wesens oder wahren Glaubens ist, schlage den tot, der genau so wenig wie du selber begreifen darf, was das denn blo sein soll: ein slowenisches Brathhnchen oder ein italienischer Mensch.
So fhrt der nur scheinbare Umweg ber Gott und das Geld vielmehr directissime zum Thema, das ja "Our common past with Fascism" sein soll. Denn Adolf Hitler hat eben das ganz genau gewut, was noch jeder Staatsmann und heie er auch Margret Thatcher wei und wissen mu, auch wenn er sich eher die Zunge abbeien wird, bevor auch nur ein Sterbenswrtchen zur Sache laut wird. Hier geht es her wie bei den Jesuiten: Immer dran denken, nie davon reden; nicht und nimmer davon sprechen, aber stets und immer danach handeln. So wei jeder Staatsmann und jeder Papst das ist schlielich sein Beruf und er wird dafr nicht eben unter Tarif bezahlt , da er all die Hitler, Stalin und Konsorten, und nun komme ich endlich zum geforderten und vom "Christian Movement for Peace" immerhin bezahlten internationalen Vergleich, jeder Politiker also und jeder Kardinal sowieso wei ganz genau, warum er all die Loyolas, Barbies und Co., all die Ideologen der Gewalt, heien sie nun Primo de Rivera, Houston Chamberlain oder Alfred Rosenberg, schimpfen sie sich Alain de Benoist oder Armin Mohler, Rassinier, Faurisson oder Gunter Maschke, auf gar keinen Fall und um gar keinen Preis wirklich verstehen und das heit: kritisieren darf. Und zwar deshalb nicht, weil er mit ihnen vergleichbar ist als Souvern, als Reprsentant der Souvernitt und als Gott auf Erden, als Ideologe der Macht und Praktiker der Gewalt. Der Staatsmann darf Hitler und die Faschisten nicht verstehen, gerade weil er sie nur allzu gut begreift denn aus ihren Untaten spricht die ebenso extreme wie unter Umstnden gebotene, ebenso logische wie praktische radikale Konsequenz eben der kapitalistischen Produktionsweise, die politisch zu reprsentieren er ebenso die Ehre hat wie der Papst Gott zu verwalten ganz zu Recht sich anmat. Nichts anderes ist daher der vulgre Antifaschismus als der pdagogische Adlatus des kapitalen Souverns und souvernen Kapitals, der schon an der Frage scheitert, was ein slowenisches Brathhnchen ist.
Ganz einfach deshalb drfen der Staatsmann und seine brgerlich-demokratische ffentlichkeit, die ihn bert und so banal kann die Wahrheit tatschlich auch einmal sein die Faschisten nicht und die Nationalsozialisten daher erst recht nicht verstehen, weil sie, verstnden sie die Hitler & Co. wirklich und lernten sie nicht immer nur von ihnen, nicht umhin knnten, mindestens ihre Abdankung zu erklren oder, hoffentlich, was menschlich wirklich anstndig wre, am nchsterreichbaren Laternenmasten sich einfach aufzuknpfen. Die wahrhaftige Selbstkritik des Staatsmanns ist der Selbstmord, die einzige Kritik des Politikers besteht in seiner praktischen berflssigmachung und Abschaffung.
So also ist es um das Verhltnis von Verstndnis und Kritik bestellt, und daher liegt noch ein weiterer Grund, der es unmglich macht, ber Faschismus im internationalen Vergleich zu sprechen, ebenfalls in der Sache selbst und darin, da der Vergleich, bestenfalls, eine Masse an Information liefern wrde, aber nicht den einzig zutreffenden Begriff. Denn der Begriff der Wahrheit ist nicht, wie es die Theologie und der Positivismus wollen, die geistige Abbildung eines objektiven Wesens im Kopf des Individuums ein Wissen also und eine Kenntnis sondern vielmehr und wo nicht, wenn nicht in Sachen Faschismus, die praktische Aufhebung des subjektiv-objek-tiven, des "sinnlich-bersinnlichen" Unwesens durch die Tat und die revolutionre Praxis der Subjekte, die endlich Individuen sein wollen, d.h. unwesentlich und also unvergleichlich. Dies ist der dialektisch und also philosophische Begriff der Wahrheit und aus ihm folgt, da sie von keiner anderen Statur sein kann als von einer durch und durch negativen, zersetzenden und aufhebenden. Das heit nichts anderes, als da man die Wahrheit ber den Faschismus nicht im internationalen Vergleich und weder im Seminar noch auf der Strae herausfinden kann die Gesellschaft wird den Faschismus vielmehr und erst dann verstanden haben, wenn sie sich des Kapitals und seines Staates ein fr alle Mal entledigt haben wird. Die theoretische Wahrheit ist und kann nur bestehen in der praktischen Aufhebung und Abschaffung des Unwahren. Die Wirklichkeit mu vernnftig werden und die Vernunft wirklich.
Das sind groe Worte, gewi, und Sie mgen nun fragen, wie Sie das den Leuten von Strabourg bei der "practical action" am Saturday blo verklickern sollen. Aber haben Sie die Mglichkeit bedacht, wie einfach es sein kann, ein Warenhaus zu besetzen und eine Fabrik lahmzulegen? Oder die Mglichkeit, die Ihnen wahrscheinlich nher liegt und Ihnen auch, die Ortskenntnisse Ihrer hiesigen Kollegen im Glauben einmal vorausgesetzt: praktische Sabotage eines Gottesdienstes, Diebstahl des Weihrauchs, Beschlagnahme der Kollekte fr einen vernnftigen Zweck? Machen Sie doch einfach, was Sie als diplomierte Glubige mit internationalem Aktionsfeld allerorten den Anderen anempfehlen, wenn Sie fr den Frieden, aber niemals gegen den Krieg agitieren: Kehren Sie vor der eigenen Tr, fangen Sie doch bei sich selber an das wre, und darber mchte ich nur allzu gerne nachher mit Ihnen diskutieren, das wre tatschlich praktischer wie theoretisch legitimierter Antifaschismus, Zerstrung des Gehorsams und Sabotage der Ausbeutung. Natrlich: Mehr als einen Hinweis in diese Richtung vermag ich Ihnen nicht zu geben, denn in Ihrem Milieu kenne ich mich, Gott sei Dank, gar nicht gut aus. Sie mgen auch nach dem praktischen Nutzen und nach der Umsetzung der Kritik der Politik und der des Kapitals, so wie es eben im Geld erscheint, fragen. Ist das alles nicht zu abstrakt, zu abgehoben, zu unvermittelt, und berhaupt: Geht das nicht zu weit? Knnen die Leute das denn, ungebildet und grtenteils unglubig wie sie eben sind, berhaupt verstehen? Mte man nicht, um ihnen einmal in aller Ruhe ihre eigenen Sprichwrter zu erklren, brderlich teilen, sie hier zu uns ins Seminar holen, sie mitnehmen am Thursday, erst zum "Visit of the former Nazi concentration camp of Struthoff" am Vormittag und zu "Strasbourg by night" am Abend? Mte man nicht, wie die deutschen Antifaschisten gerne sagen, die Leute dort abholen, wo sie stehen? Mte man Ihnen nicht mit etwas noch Leichterem kommen als mit dem Geld, das sie tglich gebrauchen mssen, und dem Staat, dem sie von der Wiege bis zur Bahre zu gehorchen haben? Und mte man nicht, damit das Verstndnis und also das antifaschistische Bewutsein ihnen leichter wird, mte man ihnen da nicht anbieten, nach der "Street action" am Saturday auf der anschlieenden "farewell party" auf Kosten katholischer Spesenritter den Bauch sich vollzuschlagen und ihnen einen ordentlich Rausch aus dem Meweinkeller spendieren? Was ist besser? Was dem antifaschistischen Bewutsein bekmmlicher: Erst "concentration camp", dann "farewell party"? Das Programm dieser Tagung ist von einer so ausgesuchten Geschmacklosigkeit wie sie, Gott steh' mir bei, in aller treuduseligen Aufrichtigkeit wohl wirklich nur von Christen zustande gebracht werden kann, die fr weiter nichts Interesse haben als fr den Frieden.
Und dabei geht es doch tatschlich, spricht man ber Faschismus und Antifaschismus, ums Ganze, um unser Leben und um mehr. Nur darum traue ich mich berhaupt, das nicht nur einigermaen geschmacklose, sondern berdies ziemlich verlogene Tagungsprogramm zu kritisieren und noch ein, allerdings nicht so berhmtes, Honorar dafr zu verlangen, weil der Anla dies rechtfertigt. Denn es ist allerdings mehr als nur merkwrdig, da dies Programm viel Worte verliert ber den Faschismus, kein einziges jedoch ber Nationalsozialismus und Antisemitismus, kein einziges ber die theologische Vorgeschichte des Antisemitismus. Dies ist der Grund dafr, da Sie in den Kirchen demonstrieren sollten und nicht auf der Strae. In der Polemik gegen den Wucher haben die Kirchen beider Konfession das ideologische Arsenal der Massenvernichtung geschmiedet, dessen der Nazismus sich bediente. Das Christentum ist strukturell und unkurierbar antisemitisch, allem Gerede vom Dialog der Religionen zum Trotz. Es gengt, die Anweisungen des Ignatius von Loyola an die spanische Inquisition zur Verfolgung der sog. Maranen, getaufter Juden immerhin, zu betrachten. Sie gleichen den Nrnberger Rassegesetzen der Nazis: Christen wie Nazis betrachten den Menschen in letzter Instanz als das Brathhnchen, das aufgespiet gehrt. So nimmt es nicht Wunder, da Adolf Hitler am christlichen Antisemitismus bestenfalls zu kritisieren wute, er sei nicht 'effektiv' genug. Oder anders herum: Die einzige 'Kritik', die vom Standpunkt des Christentums am Faschismus in seiner radikalsten Gestalt mglich ist, ist die, er gehe zu weit und sei einigermaen bertrieben.
Es ist dies eine Diskussion, die nicht von ungefhr der endlosen Verhandlung um den gerechten Preis der Waren auf dem Markt und dem richtigen Kurs der Regierung im Parlament gleicht. Wo der Katholizismus das Rtsel des Geldes berbieten und lsen will im Glauben an das Geld, das er Gott tituliert, da unternimmt es der Nazismus, die Unmittelbarkeit von Individuum und Kollektiv zu realisieren im Kampf und als Ausrottung der Instanzen der Vermittlung: Geist und Geld. Wo das Christentum das Wesen des Menschen vergttlicht und dergestalt den Einzelnen zur bloen Verkrperung und zuflligen Vergegenstndlichung des Allgemeinen stempelt, da nutzt der Nazismus die exakt gleiche Denkform, um die vom Allgemeinen gesetzten Einzelnen, die es in Umlauf setzte wie eine Notenbank die Mnzen, erneut einzukassieren. Das Absolute, von dem die Katholiken trumten und das sie, in Ermangelung der geeigneten technischen Mittel, nur im Pogrom und in wie immer pervertierten, so doch justizfrmigen Verfahren durchzusetzen vermochten das setzen die Nazis als ttig Absolutes. Auschwitz ist die Probe darauf, wie der ontologische Gottesbeweis allein zu funktionieren vermag: Wahrmachen der ber Leichname hinweg.
Thomas Ebermann, ein grner Abgeordneter des Bundestages, der einmal Kommunist hat werden wollen woraus dann, wie immer in Deutschland, weiter nichts wurde hat jngst einen ziemlich dialektischen Geistesblitz gehabt und hat gesagt: "Wer Schnhuber treffen will, der darf an Richard von Weizscker nicht vorbeizielen". Ich will das nun nicht fr Le Pen und Mitterand, fr Almirante, Tanfani usw. usf. durchbuchstabieren und schliee damit, Sie aufzufordern, daraus selbst Ihre Schlsse fr die Woytila und Konsorten zu ziehen.

    







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