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Michaela Mller

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Der moderne Antisemitismus als Form von Antikapitalismus


Im Allgemeinen kann Antisemitismus als Judenhass oder abgeschwcht als falsche Vorstellung von Juden definiert werden. Besonders die Zuschreibung bestimmter meist diskriminierender oder verschwrerischer- Eigenschaften auf Jdinnen und Juden [1], kann als antisemitisch gelten. Auch antizionistische Einstellungen zum Staat Israels, als Ort eines jdischen Kollektivs gesehen, liegen diesen Vorstellungen zum Teil zugrunde. Zu Recht stellt sich also die Frage warum gerade Juden tglich das Ziel von Aggressionen, Anschlgen und Anschuldigungen sind. Nicht zuletzt gewinnt die Thematik infolge steigender Wahlerfolge fr die NPD, die zunehmende Prsenz rechtsextremer Positionen in Europa und den grausamen Drohungen des Irans zur Zerstrung Israels an Relevanz und weltpolitischer Bedeutung. Doch erst wenn die Verunglimpfungen gegenber dem Judentum erkannt und verstanden werden, besteht die Mglichkeit einer qualifizierten Reaktion, die den Stereotypen und Anschuldigen standhalten kann.
Die Existenz von Beschuldigungen gegen Juden berdauerte Jahrhunderte, Aktionsformen wie Pogrome, Vernichtung und Verfolgung von Juden stehen in einer Tradition, deren Erklrungen sptestens mit dem antisemitischen Hhepunkt, der Shoah, unzureichend werden. Obwohl Antisemitismusforschung interdisziplinr ist, gibt es kein universelles Erklrungsmodell fr die verschiedenartigen Ausprgungen von Antisemitismus. Auch wenn kausale Theorien diesen Anspruch verfolgen, knnen sie immer nur einen Teil antisemitischer Erscheinungsformen erklren. Dies ist nicht zuletzt der semantischen Komplexitt antisemitischer Denkformen geschuldet. Den Judenhass als Denkform aufzufassen, in der sich der moderne Antisemitismus als eine Ideologie, ansetzend im spteren 19. Jahrhundert in Europa, konstatierte, ist eine Grundannahme von Moishe Postones [2] Analyse. Schon in frheren Formen von Antisemitismus in der christlich zivilisierten Welt des Westens wurde die Vorstellung geteilt, dass das mchtige Judentum der Mrder Gottes sein knnte. Fr das bel der Welt, die Pest in Europa 1348 oder in den letzten Jahrhunderten fr Sozialismus und Kapitalismus wurden Juden verantwortlich gemacht. Besonders durch Widersprchlichkeit zeichnet sich also die antijdische Geschichte aus, deren Qualitt sich gerade durch ihre Allseitigkeit beweist. Darber hinaus muss der moderne Antisemitismus in Hinblick auf den Nazismus als Bewegung verstanden werden [3], die sich selbst als Revolte begriff. Dieser innere Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalsozialismus bildet den Mittelpunkt von Postones Logik in seinem gleichnamigen Aufsatz, der erstmalig 1979 erschienen ist.
Es ist notwendig Unterscheidungen zu treffen zwischen Erklrungsmodellen, die Antisemitismus als Form von Rassismus oder als reine Vorurteilsform sehen. Denn anders als bei der rassistischen Machtzuschreibung, die meistens in konkreter Form formuliert wird, als unterdrckt, verdrngt, materiell und sexuell, werden Juden als potentiell mchtigere Untermenschen mit realem und groem Einfluss angesehen. Seine qualitative Andersartigkeit im modernen Antisemitismus wird mit Attributen wie mysterise Unfassbarkeit, Abstraktheit und Allgemeinheit umschrieben[4]. Da die jdische Macht als internationale Konspiration wahrgenommen wird, deren konkrete Wurzeln verborgen sind, erscheint es als schwierig Kontrolle ber diese Verschwrung auszuben.

Abgrenzung zu anderen Erklrungsversuchen
Kritik bt Postone an linken Positionen, die Antisemitismus als Randerscheinung des Nationalsozialismus verstehen oder aber als Auswirkung des Kapitalismus begreifen und so Gemeinsamkeiten von BRD und dem 3. Reich betonen. Postone verurteilt beide Anstze als holocaustisolierend, da sie die systematische Vernichtung von sechs Millionen Juden in Europa nur auerhalb einer, auf Geschichte und konomie basierenden, Gesellschaftsuntersuchung des Nationalsozialismus betrachten und somit nicht angemessen erklren knnen.
Die Abgrenzung von Sndenbockstrategien erklrt sich aus ihnen selbst heraus, durch die mgliche Ersetzbarkeit der Juden. Wichtig fr jeden Erklrungsversuch ist doch gerade die Frage warum ausgerechnet das Judentum seit Jahrhunderten zur Zielscheibe fr Pogrome, Verfolgung und Vernichtung wurde. Die Vernichtung des Judentums war, neben dem internationalen Siegeszug des Nationalsozialismus, Hauptziel des Hitler-Regimes und diente nur dem Selbstzweck: Vernichtung der Juden um ihrer Vernichtung Willen. Nur so ist zu verstehen, warum die Brennfen und Gaskammern in den Konzentrationslagern noch bis Kriegsende, ja sogar bis in die letzten Stunden vor der Befreiung, liefen. Wenn der Krieg schon verloren wurde, wenigstens eine Mission wollten die Nazis weitreichend erfllen, als ihren Dienst an die ganze Welt. Mit der Erkenntnis auf welchem Niveau sich die planmige Ausrottung der europischen Juden bewegte, zeigt sich die Besonderheit der Shoah [5], der laut Postone eine spezifische Vermittlung fordert. Erklrungen, die sich an sexuelle Unterdrckung, den autoritren Charakter, Rassismus, Brokratie oder Kapitalismus als Ursachen orientieren, sind demnach viel zu allgemein gehalten. Postones Kritik geht damit zu einem Groteil an Vertreter der (lteren) Frankfurter Schule, dennoch rumt er ein, dass auch soziologische oder psychoanalytische Theorien ihre Berechtigung haben. Gerade Adorno und Horkheimer nehmen eine zentrale Stellung in der soziologischen Erklrung von Antisemitismus ein. In der Verknpfung von Psychoanalyse und marxistischer Gesellschaftstheorie [6] kann gerade mit letzterem an das Theorem von Moishe Postone angeknpft werden.

Der Fetischbegriff nach Marx
Um die genannten Verbindungen verstndlich zu machen ist es hilfreich Marx Theorie vom Fetischcharakter der Waren zu kennen, die grundlegend fr eine historische Erkenntnistheorie ist und den Unterschied zwischen Wesen und Erscheinungsform der kapitalistischen Verhltnisse behandelt. Nicht nur als konomische Formen, sondern auch als gesellschaftliche Formen der Verhltnisse, analysiert Marx die Ware, das Geld und das Kapital [7]. Die Ware besitzt einen Doppelcharakter: Tauschwert und Gebrauchswert. Indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch gleichsetzen, setzen sie ihre verschiedenen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich [8]. Durch den Wert wird also in jedem Arbeitsprodukt eine gesellschaftliche Beziehung vergegenstndlicht, sodass die Arbeit nicht nur konkret ist durch die Herstellung eines Gebrauchsgegenstandes, sondern auch einen abstrakten Charakter besitzt. Das heit durch die Gleichsetzung der menschlich verausgabten Arbeit, im Warentausch, ist die Ntzlichkeit einer Ware (Gebrauchswert) nicht primr wertbestimmend, sondern der Tauschwert bestimmt ber ein quivalenzverhltnis nunmehr den Wert der Waren. Diese werden im Kapitalismus also nicht mehr nur fr einen praktischen Gebrauch hergestellt, sondern schon von vorn herein fr den Gtertausch, sodass nunmehr Warenbesitz auch Reichtum bedeutet. Gleichfalls befindet sich der Tauschwert immer in wechselhafter Abhngigkeit der Marktverhltnisse und befestigt sich unkontrolliert vom Tauschenden oder Produzenten. So erhlt auch Arbeit erhlt einen Doppelcharakter, indem sie, warenerzeugende, konkrete Arbeit, wie den Wert erzeugende, abstrakte Arbeit, ist.
Der Doppelcharakter von Arbeit und Ware ist fr den Kapitalismus wesensimmanent. Geld ist die einzige Erscheinungsform der so veruerten abstrakten Seiten, d.h. nur die Geldform ist Ausdruck des Wertes. Die Arbeit wird somit auf ihre konkrete Eigenschaft, die Ware auf ihren stofflichen Gebrauchswert reduziert und mit ihnen werden die gesellschaftlichen Verhltnisse verschleiert, die notwendig waren fr die Verausgabung von Arbeit und Warenproduktion. Als rein konkrete Gebrauchsobjekte erscheinen verdinglichte Waren, deren gesellschaftliche Dimension [9] entfllt und die Wertform nur in der Geldform abstrahiert wird. Das heit nur das Geld und uere, allgemeine Gesetze manifestieren scheinbar diese gesellschaftlichen Verhltnisse, obwohl sie sich schon in der Ware ausdrcken, aber durch die Vergegenstndlichung nicht in Erscheinung treten. Offenbar nur in diesen Formen aber knnen im Kapitalismus gesellschaftliche Beziehungen ausgedrckt werden, sodass ein System von Zwngen entsteht, dem wir uns nicht entziehen knnen. konomische Herrschaftsverhltnisse sind die Folge und die allseitige Unterwerfung unter den kapitalistische Sachzwang. Erst durch die beschriebene Verschleierung wird es mglich, dass die Menschen dieses System als natrlich oder selbstverstndlich empfinden, weil sich die Zwnge meist nur als gesellschaftlich, unpersnlich oder objektiv uern [10]. Das heit, die Fetischisierung, der nicht an der Oberflche erkennbaren Gesellschaftsbeziehungen im Kapitalismus, findet ihre Darstellungsform nur im scheinbar vorhandenen Gegensatz von Konkretem und Abstraktem. Beide Seiten stehen jedoch in einem antinomischen Verhltnis, die berwindung der einen Seite wrde auch die andere aufheben.
Zudem entsteht durch quasi-natrliches Auftreten der Vergegenstndlichungen, die Produkte der Verschleierung sind, eine Struktur der Entfremdung, in der ihr historischer und gesellschaftlicher Charakter verdrngt wird [11]. Durch die Personifizierung der Sachen und Versachlichung der Produktionsverhltnisse (MEW 25, S. 838) scheint der Kapitalismus als Ganzer gegen Kritik aber weitgehend immun zu werden [12]. In der kurzsichtigen Negation des Fetischismus kommt es deshalb zu Personalisierungen, es werden Schuldige gesucht, die fr krisenhafte Entwicklungen verantwortlich gemacht werden. Beispielsweise wenn die Rede von Heuschrecken ist bei den vielzhligen Entlassungen von Arbeitern. Diese Erkenntnisse sind in den Formen wie der Kapitalismus in Erscheinung tritt befangen, verkennen jedoch sein Wesen. Der Warenfetisch ist also ein Paradigma falschen Bewusstseins. Denn Kapitalismus basiert immer auf Ungleichheit und Gegenstzen, so etwa dem vom Abstrakten und Konkreten.

Verkrzter, personalisierter und naturalisierter Antikapitalismus
Durch die vorangegangene Beschreibung wird nun deutlich welche Denkformen besonders bei antikapitalistischen Argumenten entstehen knnen, in denen sich Antisemitismus und Antizionismus als Ausdrucksformen von fetischistischem Antikapitalismus darstellen. Werden die Ursachen von sozialen oder konomischen Zwangslagen personalisiert, dann wird Kapitalismuskritik nur verkrzt dargestellt. Emanzipierter Antikapitalismus kann nur die berwindung der kapitalistischen Verhltnisse als Ganzes meinen, ohne sich dabei Versuchen der Diskriminierung menschlichen Handelns oder Verunglimpfung von bestimmten Nationen zu bedienen. Weder einem einzelnen Unternehmer oder etwa der USA und Israel sind die oftmals pauperisierenden Auswirkungen des Kapitalismus zuzuschreiben. Eine weit verbreitete Ansicht ist, dass Geld und Kapital die Ursachen allen bels seien, doch ist dies nur ein einseitiger Angriff der abstrakten Seite. Postone kritisiert fr diese Verkennung unter anderem Proudhon, der Geld als abstrakte Form der vermeintlich nichtkapitalistischen konkreten Arbeit entgegensetzt [13]. Nach Marx hat menschliche und maschinelle Arbeit in der Produktion ein einziges Hauptziel: den unaufhrlichen Prozess der Kapitalverwertung.
Fr den Nationalsozialismus war es nun bezeichnend, dass sich Antisemitismus nicht nur aus historisch verflschlichten Argumenten ber Charakter, Aussehen und Gefhrlichkeit der Juden speiste, sondern mit Motiven von fetischistischem Antikapitalismus besetzt wurde. Der abstrakten Form folgten Zuschreibungen wie Skularitt, Fremdheit, Destruktivitt des weltregierenden Internationalen Judentums, dass schon immer als raffende Kapitalisten auftrat. Auch hier wird wieder die Vorstellung der reprsentierenden Verkrperung des Kapitals in den Juden erkennbar. Mit dem Bild vom Geldjuden zeigt sich der einseitige nationalsozialistische Antikapitalismus, der jedoch nicht die konkreten Formen wie Industriekapital und Technologie angriff und somit fetischistisch ist, weil die Vernichtung des Judentums mit der berwindung des Kapitalismus gleichgesetzt und die immanente Antinomie schlicht verkannt wurde. Aus ihr wurde auch ein rassischer Gegensatz: der vom Juden gegen den Arier. Der modernen Antisemitismus entwickelte sich mit der Expansion des Kapitalismus, der nun zunehmend auch biologisiert wurde, d.h. die konkreten Seiten als natrlich , menschennah und die abstrakten als fremd, unfassbar und mchtig erschienen. In den bertragungen bedeutet das zum einen, dass der positive Bezug auf den Sozialdarwinismus, die Natur, den Boden, das Blut, die Gemeinschaft und die Nation viel ursprungsnher wirkte, sodass die Geschichte ihr eher als knstlich gegenberstand. Auch wenn an dieser Stelle das antinomische Verhltnis von -abstrakt und konkret- wenig Aufschluss gibt ber die Entstehung der naturalisierten, sozialdarwinistischen Semantik, wird deutlich, dass diese historische Entwicklung als spterer Teil der nationalsozialistischen Ideologie ihre Wichtigkeit erhlt. Die Nazis begrndeten Judenhass auch mit der angeblich jdischen Eigenschaft des parasitren Kulturzersetzers, wohingegen Arier als Kulturbegrnder galten.

Historische Entwicklungslinien
Warum wurde aber die biologische Interpretation ber die Juden abstrahiert? Zweifelsohne htte keine andere Gruppierung die Rolle der Juden bernehmen knnen. Neben altbekannten Vorstellungen, die Juden mit Geld gleichzusetzen, ging die politische Emanzipation der europischen Juden mit der raschen industriellen Entwicklung des Kapitalismus einher. Zudem nutzten sie vermehrt den Zugang zu Universitten, etablierten sich in Kunst, Journalismus und Einzelhandel, erreichten ihre gesellschaftliche Integration im Brgertum. Den Aspekt der politischen Emanzipation schildert Postone als Ursprung der Verklrung von Juden als wurzellos. Denn das Judentum kennt keine einzelne Nationalitt, Juden waren nur abstrakte Staatsbrger europischer Staaten, galten aber nicht als richtige Franzosen oder Deutsche in konkreter Zugehrigkeit zur Nation [14]. Bedeutsam fr die Entwicklung von Antisemitismus ist auch der nationale Stand innerhalb der Weltordnung zum Zeitpunkt der Industrialisierung bzw. des Fortschreitens von Kapitalakkumulation von Bedeutung. Antisemitismus vermag die Welt, die Macht des Kapitals zu erklren und entwickelte sich deshalb auch verstrkt in langsam bzw. spter entwickelten Nationen wie Deutschland, Frankreich und Russland. Wohingegen Vorreiter wie Grobritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika, als Inhaber internationaler Macht, nicht die Ansicht teilten, Juden wrden die Welt regieren. Fr Postone liegt darin ein Beweis, dass Kapitalismus nicht die antisemitische Ideologie automatisch produziere, da solche berlegungen die historische Dimension ausblenden. Darber hinaus sieht Postone eine Korrelation zwischen der Ausprgung von Antisemitismus und der staatlichen Durchfhrung von kapitalistischer Modernisierung. Sein Argument beschwert er durch den Vergleich zu lteren, staatsbrgerlichen Nationen, in denen Antisemitismus als Randerscheinung auftritt [15].

Antisemitismus und Antizionismus als realpolitisches Problem heute
Heutzutage scheint auch das Gegenteil einzutreten, antisemitische Denkweisen gehen mit der Neoliberalisierung Europas einher. So etwa die Vorstellung, der Weltmarkt sei in amerikanisch (-israelischer) Hand und mit dem Widerstand gegen die USA als Welthegemon, sei die Schaffung eines europischen Superstaates als Gegengewicht notwendig. Die Schwierigkeit besteht nun darin begrndete Kritik an der amerikanischen Regierung von antisemitischem Antiamerikanismus zu trennen. Dem wachsenden Neo-Antiimperialismus etwas entgegenzusetzen fllt auch deshalb schwer, weil die unheilvolle Bush-Regierung Gegenpositionen zur Globalisierung nur frdert. Darber hinaus zeigt sich der zerstrerische Antisemitismus und Antizionismus der arabischen Welt als zutiefst reaktionre Form von Antikapitalismus. Beispielsweise der Anschlag vom 11. September darf nicht als Reaktion auf die amerikanische Politik verstanden werden, weil so die Gewaltpolitik der muslimisch-arabischen Attentter keine Hinterfragung erfhrt und das Problem der Ideologie ignoriert wird [16]. Doch das sei an dieser Stelle nur kurz genannt, da eine weiterfhrende Behandlung der Zusammenhnge den Rahmen meiner Ausfhrungen sprengen wrde. Abschlieend ist noch zu sagen, dass Antisemitismus nicht nur ein Problem der deutschen Geschichte ist, sondern ein aktuelles und weltpolitisches. In der engen Verbindung zu Formen von fetischistischem Antikapitalismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und Antiimperialismus, ist es notwendig eine aufgeklrte Gegenposition zu finden, die sich nicht nur auf ein Anti beschrnkt, sondern bestenfalls in die Solidaritt mit Israel mndet. Diese beinhaltet nicht automatisch die Gutheiung der israelischen Politik, wie die Sympathie mit den USA nicht die Beschnigung der amerikanischen Politik bedeutet. Man muss nicht viel von Politik verstehen um zu erkennen welch gefhrliche Ideologie Antisemitismus sein kann. Durch die historisch begrndete und bertragbare Logik des marxschen Warenfetisch und seiner Antinomie von Abstraktem und Konkretem ist es Moishe Postone gelungen, ein weit umfassendes Erklrungsmodell fr den modernen Antisemitismus zu konstruieren. Nicht alle Aspekte lassen sich in das Schema abstrakt und konkret- einordnen, weshalb ich bewusst nicht jede Grundunterscheidung Postones erwhnt habe. Ich sehe keine Notwendigkeit einen Anspruch auf Universalitt zu setzen, weil besonders in Bezug zum Nationalsozialismus die Qualitt der Erkenntnisse Postones zum Ausdruck kommt und in einem qualifizierten weltpolitischen oder historischen Begrndungszusammenhang mndet.

2007.
Michaela Mller ist Mitglied des Arbeitskreis Antifaschischmus Potsdam.

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Funoten:
1 Ich meine mit jeder Erwhnung von Juden sowohl weibliche als mnnliche Glubige des Judentums.
2 Professor fr Geschichte an der University of Chicago, 1983 promovierte er an der Goethe-Universitt in Frankfurt am Main, vgl.: Phase 2: Und er ist es heute wieder. Interview Moishe Postone. Nr.10. Leipzig 2003.
3 Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S. 13.
4 Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S. 13.
5 Postone spricht in seinen Aufstzen vom Holocaust. Da mir der Begriff nicht treffend und angemessen genug erscheint, werde ich ihn durch Shoah ersetzen.
6 Holz, Klaus: Nationaler Antisemitismus. Hamburg 2001. S. 77.
7 Vgl.: Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S. 14.
8 Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen konomie. Bd.1. Berlin 1981. S. 88.
9 Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S. 15.
10 Vgl.: ebd. S.14.
11 Vgl.: ebd. S.15.
12 Heinrich, Michael: Kritik der politischen konomie. Eine Einfhrung. Stuttgart 32005. S. 186.
13 Vgl.: Postone, Moishe: Nationalsozialismus und . In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S.15.
14 Vgl.: ebd. S.16.
15 Vgl.: ders. In: Phase 2: Und er ist es heute wieder. Interview Moishe Postone, Nr.10. Leipzig 2003.
16 Vgl.: Postone, Moishe: Geschichte und Ohnmacht: Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus. In: Bad Weather u.a.(Hg.):Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007. S.8f.


Quellen und Literatur:
Monografien
Heinrich, Michael: Kritik der politischen konomie. Eine Einfhrung. Stuttgart 32005.
Holz, Klaus: Nationaler Antisemitismus. Hamburg 2001.
Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen konomie. Bd.1. Berlin 251981.
Aufstze
Phase 2: Und er ist es heute wieder. Interview Moishe Postone. Nr.10. Leipzig 2003.
Postone, Moishe: Geschichte und Ohnmacht: Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus. In: Bad Weather u.a. (Hg.): Why your revolution is no liberation! Hamburg 2007.
Ders.: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: ebd. Hamburg 2007.

    







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